Emily in Paris Staffel 1: Die echten Drehorte – so sieht Paris abseits der Serie wirklich aus
Es beginnt mit einem Koffer, einem Instagram-Account und einer Amerikanerin, die kein Wort Französisch spricht. Und endet mit der Erkenntnis, dass Paris komplizierter ist als jedes Foto vermuten lässt.
Emily in Paris ist seit 2020 eine der meistgestreamten Serien weltweit – und hat dabei etwas Merkwürdiges getan: Es hat Paris nicht neu erfunden, aber es hat Millionen von Menschen daran erinnert, dass diese Stadt immer noch das ist, was sie war. Schön. Chaotisch. Unvergleichlich.
Die gute Nachricht: Fast alles, was du in Staffel 1 siehst, existiert wirklich. Du kannst es besuchen. Du kannst dort essen, laufen, staunen.
Dieser Artikel zeigt dir, wo.
WARUM PARIS? DIE GESCHICHTE HINTER DER SERIE
Serienschöpfer Darren Star – bekannt für „Sex and the City“ – hatte von Anfang an eine klare Vision: Paris nicht als Kulisse, sondern als Charakter. Die Stadt selbst sollte sprechen.
Und das tut sie. Staffel 1 wurde fast ausschließlich auf echten Pariser Straßen gedreht. Keine Sets, keine Nachbauten. Was du siehst, ist echt – und genau das macht die Serie für Reisende so verlockend.
Seit der ersten Staffel verzeichnet Paris einen spürbaren Anstieg von Touristen, die gezielt die Drehorte der Serie besuchen. Das 5. Arrondissement, lange bekannt als studentisches Quartier Latin, ist seitdem auch Emily-Pilgerort.
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EMILYS WOHNUNG: PLACE DE L’ESTRAPADE
Das Herzstück der Serie ist eine unscheinbare Adresse im Quartier Latin: 1 Place de l’Estrapade, 5. Arrondissement.
Emily wohnt in einer sogenannten Chambre de bonne – einem Dachzimmer, das in der Serie deutlich glamouröser wirkt als in der Realität. Das Gebäude ist ein typisches Pariser Hausmannsmann-Haus mit verwitterter Fassade, schmaler Treppe und dem Blick, den man für 1.500 Euro Miete pro Monat in dieser Stadt zu bekommen hofft.
Was die Serie unterschlägt: Die echte Chambre de bonne ist in der Regel winzig, ohne Lift und mit geteiltem Badezimmer auf dem Flur. Emilys Version ist, sagen wir, optimistisch interpretiert.
Der Platz selbst ist ruhig, fast unbekannt – nur wenige Gehminuten vom Panthéon entfernt. Genau das macht ihn charmant.
📍 1 Place de l’Estrapade, 75005 Paris
Metro: Maubert – Mutualité (Linie 10)
GABRIELS RESTAURANT: TERRA NERA
67 Meter von Emilys Wohnung entfernt liegt das Restaurant, in dem ihr Nachbar Gabriel als Chefkoch arbeitet. In der Serie ist es ein klassisches französisches Bistro. In der Realität ist es ein italienisches Restaurant namens Terra Nera – und laut Besucher-Bewertungen ausgesprochen gut.
📍 18 Rue des Fossés Saint-Jacques, 75005 Paris
Geöffnet Dienstag bis Sonntag zum Mittagessen (12:00–14:30 Uhr) und Abendessen (19:00–22:30 Uhr). Reservierung empfohlen – seit der Serie ist das Lokal bekannt.
Praktischer Tipp: Wohnung, Restaurant und Bäckerei (Rue des Fossés Saint-Jacques 16) liegen alle im Umkreis von 100 Metern – du kannst alle drei in einem kurzen Spaziergang abhaken.
EMILYS ARBEITSPLATZ: PLACE VALOIS
Die fiktive Marketingagentur Savoir befindet sich über der Galerie Patrick Fourtin am Place Valois – direkt am Jardin du Palais-Royal, einem der schönsten und am wenigsten bekannten Parks der Stadt.
Der Garten liegt versteckt hinter den Arkaden des Palais-Royal, wenige Minuten vom Louvre entfernt – und ist das, was Pariser als ihr offenes Wohnzimmer betrachten. Hier trifft Emily in ihrer ersten Mittagspause auf Mindy, weil keiner ihrer Kollegen mit ihr essen will.
Der Park ist kostenlos zugänglich und wird von Einheimischen für Picknicks, Spaziergänge und Mittagspausen genutzt. Kein Eintritt, keine Schlange. Selten auf Touristenkarten zu finden.
📍 Jardin du Palais-Royal, Rue de Valois 43, 75001 Paris
Metro: Palais-Royal – Musée du Louvre (Linie 1 und 7)
PONT ALEXANDRE III: DIE SCHÖNSTE BRÜCKE DER STADT
Für einen Werbespot der fiktiven Uhrenmarke De l’Heure wird in Staffel 1 auf der Pont Alexandre III gedreht – und kein Drehort der Serie wurde besser gewählt.
Die Brücke ist aus dem späten 19. Jahrhundert, vergoldet, verziert und bietet einen der ikonischsten Eiffelturm-Blicke der Stadt. Sie verbindet die Champs-Élysées mit dem Invalides-Viertel und ist zu jeder Tageszeit beeindruckend – am schönsten bei Sonnenuntergang.
Kein Eintritt. Öffentlich zugänglich. Einer der meistfotografierten Orte in Paris – zu Recht.
📍 Pont Alexandre III, 75008 Paris
ATELIER DES LUMIÈRES: KUNST ALS ERLEBNIS (FOLGE 5)
Eines der eindrucksvollsten Drehorte der ersten Staffel ist das Atelier des Lumières – eine ehemalige Gießerei aus dem 19. Jahrhundert im 11. Arrondissement, die heute als Ausstellungsraum für immersive Kunstprojektionen genutzt wird.
In Folge 5 besuchen Emily, Gabriel und Camille gemeinsam eine Ausstellung. Die Szene wurde zur Van-Gogh-Ausstellung gedreht – Bilder werden auf 3.300 Quadratmeter Wandfläche projiziert, begleitet von Musik. Das Ergebnis ist weniger Museumsbesuch als Ereignis.
Das Atelier wechselt seine Ausstellungen regelmäßig – was aktuell läuft, lohnt sich vorab zu checken. Tickets sollten frühzeitig online gebucht werden.
📍 38 Rue Saint-Maur, 75011 Paris
Metro: Saint-Maur (Linie 9)
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OPÉRA GARNIER: SCHWANENSEE UND EIN SCHLECHTES DATE (FOLGE 6)
Emily besucht in Folge 6 mit dem Antiquitätenhändler Thomas die Opéra Garnier, um Schwanensee zu sehen. Das Date entwickelt sich erwartbar – er ist snobistisch, sie endet in der Loge des Modeschöpfers Pierre Cadault.
Das Gebäude selbst ist einer der wichtigsten Architekturorte der Stadt: 1875 eröffnet, von Charles Garnier entworfen, mit einer Decke, die Marc Chagall 1964 bemalt hat. Selbst wer die Oper nicht mag, sollte das Foyer gesehen haben.
Du kannst die Oper mit einer Führung besuchen, auch ohne eine Vorstellung zu sehen. Die Tickets dafür sind deutlich günstiger als Vorstellungskarten.
📍 Place de l’Opéra, 75009 Paris
Metro: Opéra (Linie 3, 7, 8)
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MONTMARTRE: MAISON ROSE UND PLACE DALIDA
Zwei Drehorte der Serie liegen in Montmartre – und beide funktionieren auch ohne Serienkontext.
La Maison Rose – das rosa Restaurant in der Rue de l’Abreuvoir, in dem Emily und Mindy zu Abend essen – existiert wirklich. Es ist eines der meistfotografierten Cafés in Paris, klein, bunt und oft überfüllt. Reservierung ist ratsam.
📍 2 Rue de l’Abreuvoir, 75018 Paris
Wenige Schritte entfernt liegt der Place Dalida, benannt nach der ägyptisch-französischen Sängerin. In der Serie stellt Emily hier ein Bett für eine Outdoor-Schlafen-Kampagne auf. Der echte Wert des Platzes: Von hier aus blickt man die Rue de l’Abreuvoir hinauf zur Kuppel des Sacré-Cœur – einer der schönsten Stadtansichten Montmartres, die kein Reiseführer auf dem Titel hat.
📍 Place Dalida, 75018 Paris
TROCADÉRO: DER EIFFELTURM VON DER RICHTIGEN SEITE
Die Launch-Party des Parfums Maison Lavaux findet im Palais de Chaillot am Trocadéro statt. Die Szene ist kurz – die Aussicht ist es nicht.
Der Trocadéro bietet den symmetrischsten, weitläufigsten Blick auf den Eiffelturm. Tagsüber von Touristen überfüllt, nachts fast magisch. Wer den Eiffelturm fotografieren will: Morgens früh oder nach Mitternacht – dann ist das Esplanade beinahe leer.
📍 Place du Trocadéro, 75016 Paris
Metro: Trocadéro (Linie 6 und 9)
DIE LIEBESWAND: „JE T’AIME“ IN 300 SPRACHEN
In einer der romantischsten Szenen der Staffel schlägt Emily Gabriel den Ort vor, an dem er seiner Freundin Camille einen Antrag machen könnte: die Liebeswand (Le mur des je t’aime) in Montmartre.
Die Wand existiert wirklich. Sie zeigt „Ich liebe dich“ in 300 Sprachen – in blauen Buchstaben auf schwarzen Keramikkacheln, auf rund 40 Quadratmetern. 2000 von zwei Kalligraphen und einer Schriftstellerin installiert, gilt sie heute als einer der romantischsten Orte der Stadt. Kein Eintritt, jederzeit zugänglich.
📍 Square Jehan Rictus, Place des Abbesses, 75018 Paris
JARDIN DU LUXEMBOURG: EMILYS LAUFSTRECKE
Emily joggt regelmäßig durch den Jardin du Luxembourg – einen der großen Stadtparks von Paris im 6. Arrondissement. Eine Runde auf den äußeren Wegen entspricht etwa 2,5 Kilometern. Wer mehr will: Mehrere Runden, morgens, wenn der Park noch ruhig ist.
Auch ohne Sport: Der Park ist einer der schönsten in Paris – mit dem Palais du Luxembourg, Springbrunnen, Stühlen aus grünem Metall und dem Gefühl, dass die Stadt kurz aufgehört hat zu hetzen.
📍 15 Rue de Vaugirard, 75006 Paris
Metro: Odéon (Linie 4 und 10) oder Notre-Dame-des-Champs (Linie 12)
HOTEL MOLITOR: POOL MIT GESCHICHTE
Emily und Mindy erhalten am Pool des Hôtel Molitor Proben des Parfums Soleil de Paris. Das Hotel selbst ist mehr als eine Serienkulisse.
Das Molitor öffnete 1929 als öffentliches Hallenbad – eines der ersten in Paris. Der Bikini wurde hier 1946 das erste Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Nach Jahrzehnten des Verfalls, einer Zwischenzeit als Eislaufbahn und einer langen Leerstandsphase, in der Graffiti-Künstler das Gebäude übernahmen, wurde es 2014 als Designhotel wiedereröffnet.
Der Pool ist für externe Gäste gegen Tageseintritt zugänglich – eine der außergewöhnlichsten Schwimmmöglichkeiten der Stadt.
📍 13 Rue Nuée Bleue, 75016 Paris
Metro: Michel-Ange – Molitor (Linie 9 und 10)
PARIS ABSEITS DER SERIE – WAS DU WIRKLICH ERLEBEN SOLLTEST
Emily in Paris zeigt Paris durch den Filter einer Amerikanerin, die verliebt ist – in die Stadt, in Gabriel, in das Leben. Das Ergebnis: Eine Version von Paris, die existiert, aber nicht vollständig ist.
Was die Serie nicht zeigt:
Das Marais-Viertel – mit seinen jüdischen Delikatessen, queuen Buchläden, versteckten Galerien und der Place des Vosges, dem ältesten Stadtplatz Paris‘. Einer der lebendigsten Stadtteile, der im Sommer nicht schläft.
Die Île Saint-Louis – die kleinere der beiden Flussinseln, mit einer einzigen Hauptstraße, handgemachtem Eis von Berthillon und dem Gefühl, dass die Stadt kurz aus dem 21. Jahrhundert herausgefallen ist.
Der Canal Saint-Martin im 10. Arrondissement – Pariser Lieblingsort für Picknicks, Weinflaschen auf dem Gehweg und langen Sommerabenden. Keine Touristenmassen. Echter Alltag.
PRAKTISCHE REISETIPPS FÜR PARIS
Beste Reisezeit
April bis Juni und September bis Oktober. Das Wetter ist angenehm, die Terrassen sind voll, die Schlangen an den Sehenswürdigkeiten kürzer als im Hochsommer.
Anreise
Paris hat zwei Hauptflughäfen: Charles de Gaulle (CDG) und Orly (ORY). Direktflüge aus deutschen Städten ab ca. 50–150 € je nach Saison und Buchungszeitpunkt. Mit dem TGV von Frankfurt oder Köln dauert die Fahrt unter 4 Stunden – oft entspannter als der Flug.
Fortbewegung in der Stadt
Die Métro ist günstig, dicht und zuverlässig. Das Carnet (10 Einzeltickets) ist günstiger als Einzeltickets. Für längere Aufenthalte: die Navigo-Wochenkarte. Viele der Drehorte liegen aber so nah beieinander – besonders im 5., 6. und 1. Arrondissement – dass Laufen die bessere Option ist.
Unterkunft
Wer nah an Emilys Welt sein will: Das 5. Arrondissement (Quartier Latin) ist ideal – zentral, charakterstark, mit guten Verbindungen. Das 6. Arrondissement (Saint-Germain-des-Prés) ist etwas teurer, dafür ruhiger und eleganter.
Budget-Realität
Paris ist teuer, aber nicht unmöglich. Mittagessen an Bäckereien (Sandwich + Getränk: 7–10 €), Musées nationaux am ersten Sonntag des Monats kostenlos, Métro-Tageskarte unter 10 €. Wer die Touristen-Restaurants in Sichtnähe des Eiffelturms meidet, isst besser und günstiger.
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FAZIT: LOHNT SICH PARIS AUCH OHNE EMILY?
Unbedingt. Die Serie hat Paris nicht erfunden – sie hat es vielen Menschen neu in Erinnerung gerufen.
Was Emily in Paris wirklich leistet: Es zeigt, dass die schönsten Orte der Stadt oft nicht die bekanntesten sind. Der Place de l’Estrapade ist kein Touristenmagnet. Der Jardin du Palais-Royal taucht in keinem Standard-Reiseführer auf dem Cover auf. Die Liebeswand in Montmartre ist in fünf Minuten zu Fuß von der Sacré-Cœur entfernt – und trotzdem deutlich ruhiger.
Das Beste an Paris passiert nicht auf dem Eiffelturm. Es passiert auf dem Weg dorthin.
Alle Preisangaben sind Richtwerte und können je nach Saison und Verfügbarkeit abweichen.
