Kein Selfie mit dem Fisch! 8 Gesetze, die Europa-Urlaubern teuer werden können
Ein Muschel-Souvenir vom Strand, die Handtücher über dem Balkon, die früh morgens besetzte Liege am Pool – alles ganz normale Urlaubsgewohnheiten. Nur eben nicht überall. In einigen europäischen Ländern gelten für genau solche Kleinigkeiten Regeln, die deutschen, österreichischen und Schweizer Reisenden selten bewusst sind – mit Bußgeldern von wenigen hundert bis über 1.500 Euro, in Einzelfällen sogar mit Gefängnis. Der Reiseversicherer Tiger.co.uk hat acht davon zusammengestellt. Ein guter Anlass, den Koffer diesen Sommer nicht nur mit Sonnencreme, sondern auch mit ein bisschen Länderkunde zu packen.
Wichtig zu wissen: Eine Reiseversicherung springt in der Regel nicht ein, wenn Kosten oder Schäden durch einen Gesetzesverstoß entstehen. Wer also medizinische Behandlung oder Reiseunterbrechungen versichert haben möchte, tut gut daran, sich vorab mit den lokalen Regeln vertraut zu machen.
1. Spanien: Die Liegen-Reservierung kostet jetzt Geld
In touristischen Hotspots wie Barcelona und an der Costa Blanca ist das frühmorgendliche Handtuch-Wettrennen um die besten Liegen inzwischen offiziell unerwünscht: Wer eine Sonnenliege reserviert, ohne sie zu nutzen, riskiert ein Bußgeld von bis zu 250 Euro. Grund für die Regel waren zahlreiche Beschwerden über stundenlang belegte, aber leere Liegen.
Tipp: Einfach früh genug selbst am Pool oder Strand erscheinen – Vorab-Reservieren per Handtuch ist keine Option mehr.
2. Italien: Badekleidung nur am Strand oder Pool
In Italien gilt Badekleidung außerhalb von Strand und Schwimmbad als unangemessen. In beliebten Zielen wie der Amalfiküste und Sorrent drohen bei Verstößen Bußgelder von bis zu 500 Euro – etwa, wer im Bikini durch die Altstadt schlendert oder oben ohne durch ein Café läuft.
Tipp: Vor dem Restaurantbesuch oder Stadtbummel kurz T-Shirt und Rock oder Hose überziehen.
3. Portugal: Nicht ins Meer
Wer am portugiesischen Strand dringend muss, sollte vorher die nächste Toilette suchen: Urinieren im Meer ist illegal und kann mit bis zu 750 Euro Bußgeld geahndet werden. Ausgenommen sind laut Bericht schwangere Personen.
Tipp: Strandbars und öffentliche Toiletten sind an den meisten portugiesischen Stränden gut ausgeschildert.
4. Griechenland: Keine Stöckelschuhe an antiken Stätten
An historischen Orten wie der Akropolis oder dem Theater von Epidaurus sind hochhackige Schuhe verboten – sie sollen die empfindlichen, jahrtausendealten Oberflächen vor Erosion und Rissen schützen. Auch das Sitzen auf antiken Monumenten ist aus Respekt vor den Erhaltungsbemühungen unerwünscht.
Tipp: Für Ausflüge zu Ruinen und Ausgrabungsstätten flache, festes Schuhwerk einpacken – schont ohnehin die eigenen Füße auf unebenem Untergrund.
5. England: Anstellen statt Vordrängeln
In den Tickethallen der Londoner U-Bahn gilt: Hinten anstellen, keine Ausnahmen. Wer sich vordrängelt, verstößt gegen eine britische Regel, die Frust und Konflikte unter Fahrgästen vermeiden soll.
Tipp: Gilt eigentlich überall in Großbritannien als ungeschriebenes Gesetz – Warteschlangen werden dort mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit respektiert.
6. Schweiz: Wäsche und Fische haben ihre Regeln
Wer die nasse Badekleidung sonntags zum Trocknen auf den Balkon hängt, verstößt in der Schweiz gegen die Sonntagsruhe – an diesem Tag sollen Wäscheleinen leer bleiben. Und Angler aufgepasst: Ein Selfie mit dem Fisch, bevor er zurück ins Wasser darf, gilt als unnötige Belastung des Tiers und ist ebenfalls untersagt.
Tipp: Handtücher und Badesachen lieber drinnen oder auf einem Wäscheständer im Zimmer trocknen, wenn Sonntag ist.
7. Türkei: Vorsicht bei Geld und Atatürk
In der Türkei gilt die Beschädigung von Geldscheinen als ernstes Vergehen gegenüber Staat und Flagge – im Extremfall drohen bis zu drei Jahre Haft. Noch strenger wird es bei Beleidigungen gegenüber Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei: Hier reicht die Strafe bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Tipp: Respektvoller Umgang mit türkischer Währung und Zurückhaltung bei politischen Kommentaren zu Atatürk sind die einfachste Absicherung.
8. Frankreich: Kein Strand-Souvenir
Sand, Muscheln oder Kieselsteine als Andenken einzupacken, ist an französischen Stränden strikt verboten – Teil des Küstenschutzes. Wer größere Mengen mitnimmt, die nach kommerzieller Nutzung aussehen, riskiert Bußgelder von bis zu 1.500 Euro.
Tipp: Eine Postkarte oder ein Foto erfüllt den gleichen Zweck als Erinnerung – ganz ohne Bußgeldrisiko im Koffer.
Fazit: Vorher informieren lohnt sich
Ian Wilson, Reiseversicherungsexperte bei Tiger.co.uk, bringt es auf den Punkt: Was zu Hause harmlos ist, kann anderswo ernst genommen werden. Die wenigsten Urlauber brechen absichtlich Gesetze – meist reicht Unwissenheit über lokale Regeln, um in Schwierigkeiten zu geraten. Ein kurzer Blick auf die Gepflogenheiten des Reiseziels gehört daher genauso zur Urlaubsvorbereitung wie das Packen des Koffers.
Zu beachten: Bei den genannten Regeln handelt es sich teils um lokale Vorschriften oder Bräuche und nicht durchgängig um landesweite Gesetze – die Handhabung kann je nach Region variieren.
