Europa

Die Azoren

Bei den Azoren handelt es sich um neun portugiesische Atlantikinseln. Sie liegen auf 36° 43′ bis 39° 56′ N und 24° 46′ bis 31° 16′ W, umfassen eine Grundfläche von 2.330 Quadratkilometern und sind Teil des Mittelatlantischen Rückens. Sie liegen auf der Plattengrenze zwischen der europäischen Platte und der afrikanischen Platte. Die Inseln Flores und Corvo gehören geologisch bereits zur nordamerikanischen Kontinentalplatte.

Geografie der Azoren

Die Inselgruppe der Azoren liegt in der Mitte der nördlichen Hemisphäre des Atlantischen Ozeans und erstreckt sich entlang einer West-Nordwest- bis Ost-Südost-Ausrichtung in einem Gebiet von etwa 600 Kilometern Breite. Die Inseln der Azoren sind aus dem sogenannten Azoren-Plateau entstanden, einer 5,8 Millionen km² großen Region, die morphologisch durch eine Tiefe von 2.000 Metern geprägt ist.

Tolle Landschaften gibt es auf den Azoren zu entdecken, Foto: Martin Munk /  Unsplash
Tolle Landschaften gibt es auf den Azoren zu entdecken, Foto: Martin Munk / Unsplash

Die neun Inseln, aus denen sich der Archipel zusammensetzt, nehmen eine Fläche von 2.346 km² ein, die sowohl die Hauptinseln als auch viele kleine Inseln in ihrer Umgebung umfasst. Ihre Fläche reicht von der größten Insel, São Miguel, mit 759 km² bis zur kleinsten, Corvo, mit etwa 17 km². Jede der Inseln hat ihre eigenen geomorphologischen Eigenschaften, die sie einzigartig machen:

  • Corvo (die kleinste Insel) ist ein Krater einer großen plinianischen Eruption
  • Flores (ihr Nachbar auf der nordamerikanischen Platte) ist eine zerklüftete Insel, die von vielen Tälern und Steilhängen durchzogen ist
  • Faial ist durch seinen Schildvulkan und seine Caldera (Cabeço Gordo) gekennzeichnet
  • Pico ist mit 2.351 Metern der höchste Punkt der Azoren und des portugiesischen Festlandes;
  • Graciosa ist bekannt für seine aktiven Furnas do Enxofre und seine Mischung aus Vulkankegeln und Ebenen
  • São Jorge ist eine lang gestreckte, schlanke Insel, die durch Spaltausbrüche über Tausende von Jahren entstanden ist
  • Terceira, fast kreisförmig, beherbergt einen der größten Krater der Region
  • São Miguel ist die größte Insel und ist mit vielen großen Kratern und Feldern von Sprühkegeln durchsetzt
  • Santa Maria, die älteste Insel, ist stark erodiert und einer der wenigen Orte, an denen man braune Sandstrände im Archipel antrifft.

Aus geostruktureller Sicht befinden sich die Azoren über einem aktiven Dreifach-Knotenpunkt zwischen drei der wichtigsten tektonischen Platten der Welt (der Nordamerikanischen Platte, der eurasischen Platte und der afrikanischen Platte). Die westlichsten Inseln des Archipels (Corvo und Flores) befinden sich auf der Nordamerikanischen Platte, während die übrigen Inseln innerhalb der Grenze liegen, die die Eurasische und afrikanische Platte trennt.

Die wichtigsten tektonischen Strukturen, die in der Region der Azoren existieren, sind der Mittelatlantische Rücken, der Terceira-Graben, die Azoren-Bruchzone und die Glória-Verwerfung. Der Mittelatlantische Rücken ist die Hauptgrenze zwischen der Nordamerikanischen Platte und der Afrikanisch-Eurasischen Platte, die das Azorenplateau zwischen den Inseln Flores und Faial von Norden nach Süden und dann nach Südwesten durchquert. Es handelt sich um eine ausgedehnte Form, die von vielen Transformverwerfungen durchzogen ist, die senkrecht zu ihrer Nord-Süd-Ausrichtung verlaufen, die seismisch aktiv und anfällig für Vulkanismus ist.

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Der Vulkanismus der Insel steht im Zusammenhang mit dem Rifting entlang der Dreifachverzweigung der Azoren; die Ausbreitung der Kruste entlang der vorhandenen Verwerfungen und Brüche hat viele der aktiven vulkanischen und seismischen Ereignisse hervorgebracht, während sie durch den Auftrieb im tieferen Erdmantel unterstützt wird, den einige mit einem Azoren-Hotspot in Verbindung bringen.

Seit dem Beginn der Besiedlung der Insel, etwa im 15. Jahrhundert, gab es 28 registrierte Vulkanausbrüche (15 terrestrische und 13 submarine). Der letzte bedeutende Vulkanausbruch, der Capelinhos-Vulkan (Vulcão dos Capelinhos), ereignete sich 1957 vor der Küste der Insel Faial; die jüngste vulkanische Aktivität fand in den Seebergen und submarinen Vulkanen vor der Küste von Serreta und im Pico-São Jorge-Kanal statt.

Ilhéu de Vila Franca do Campo liegt vor der Küste von Vila Franca do Campo und besteht eigentlich nur noch aus einem Vulkanschlot. Foto: Luís Eusébio / Unsplash
Ilhéu de Vila Franca do Campo liegt vor der Küste von Vila Franca do Campo und besteht eigentlich nur noch aus einem Vulkanschlot. Foto: Luís Eusébio / Unsplash

Aufgrund der geodynamischen Gegebenheiten ist die Region ein Zentrum intensiver seismischer Aktivität, insbesondere entlang der tektonischen Grenzen des Mittelatlantischen Rückens und des Terceira-Grabens. Obwohl seismische Ereignisse häufig auftreten, sind sie meist tektonischer oder vulko-tektonischer Natur, aber im Allgemeinen von geringer bis mittlerer Intensität, gelegentlich unterbrochen von Ereignissen der Stufe 5 oder höher auf der Richter-Magnituden-Skala. Das schwerste Erdbeben wurde 1757 in der Nähe von Calheta auf der Insel São Jorge registriert, das die Stärke 7 auf der Richter-Magnituden-Skala überschritt. Zum Vergleich: Das vom Historiker Gaspar Frutuoso erwähnte Erdbeben von 1522 hatte eine Stärke von 6,8 und war für die Zerstörung von Vila Franca do Campo und Erdrutsche verantwortlich, die möglicherweise mehr als 5.000 Einwohner getötet haben.

Das Klima auf den Azoren

Die Temperaturen bleiben im Sommer meistens unter 25 °C und Niederschläge kommen in der Wetterküche Europas häufig vor („Vier Jahreszeiten am Tag“). Im Winter wird es insgesamt nicht kälter als 15–10 °C (je nach Lage), ab April werden dann auch schon die 20 °C überschritten. Im Sommer ist es tagsüber bis zu 25 °C warm und in der Nacht sinken die Temperaturen meistens nicht unter 15 °C. Herbst und Frühjahr sind mild, aber auch regnerisch.

Der Tourismus

Einer von zahlreichen Wanderwegen auf den Inseln, Foto: Natanael Vieira / Unsplash
Einer von zahlreichen Wanderwegen auf den Inseln, Foto: Natanael Vieira / Unsplash

Wegen der Ursprünglichkeit und des einzigartigen Klimas mit milden, nie extremen Temperaturen gewinnt auch der Tourismus auf den immergrünen Azoren langsam immer mehr an Bedeutung. Bisher sind es neben den Festland-Portugiesen und internationalen Seglern vor allem auch Skandinavier und Urlauber aus dem deutschsprachigen Raum, die auf den Azoren Urlaub machen.

Die Anreise erfolgt per Schiff oder per Flugzeug zum internationalen Flughafen João Paulo II. (PDL) der Hauptstadt der Azoren Ponta Delgada auf São Miguel.

Da es keine ausgedehnten Sandstrände gibt, sind Azoren-Urlauber meist Segler oder Wanderer. Auf einigen Inseln wird Whale Watching (Walbeobachtung) angeboten. Heil- und Thermalquellen machen den Ort Furnas (auf der Hauptinsel São Miguel) seit Langem zu einem attraktiven Kurort, nicht nur für Festland-Portugiesen.

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Die Landwirtschaft

Wichtige Wirtschaftszweige auf den Azoren-Inseln sind die Vieh- und Milchwirtschaft. Exportiert werden hauptsächlich Milch, Milchprodukte sowie Rindfleisch. Die Azoren sind der einzige europäische Standort, an dem Tee angebaut wird (zwei Plantagen gibt es auf der Insel São Miguel). Der Tee hat sehr wenig Teein, im Vergleich zu den Teesorten aus Asien und Afrika. Fast der gesamte Tee wird von der Bevölkerung selbst verbraucht. Die Teeplantagen sind auch eine tolle Touristenattraktion.

Der Ananasanbau auf São Miguel erfolgt nur in Gewächshäusern und ist sehr arbeitsintensiv, wodurch auch die einheimischen Sorten teurer sind als Importe.

Die neun Inseln der Azoren

Die Vegetation auf den Azoreninseln ist aufgrund des feuchten Atlantikklimas sehr üppig. Daneben findet man aber auch eher karge, vulkanische Landschaften. Die neun großen Inseln, von denen acht vulkanischen Ursprungs sind und eine (Santa Maria) sedimentär ist, teilt man in drei Gruppen auf:

  • Nordwestliche Gruppe: Corvo und Flores
  • Zentrale Gruppe: Faial mit der Inselhauptstadt Horta, dem Hauptanlaufpunkt für Atlantiküberquerer, Pico mit Hauptort Madalena, São Jorge, Graciosa und Terceira. Hauptstadt von Terceira ist das als Weltkulturerbe anerkannte Angra do Heroísmo, das nach dem Erdbeben von 1980 wiederaufgebaut wurde.
  • Südöstliche Gruppe: Santa Maria, den Formigas, einer unbewohnten Inselgruppe, und São Miguel, der größten Insel (Hauptinsel) der Azoren, deren Hauptstadt Ponta Delgada zugleich Hauptstadt des gesamten Archipels und auch u. a. Hauptsitz der auf mehreren Inseln angesiedelten Universität der Azoren ist. Der gleichnamige Vulkan auf der Insel Pico ist mit 2351 m die höchste Erhebung Portugals.

Alle Azoren-Inseln verfügen über traumhaft schöne Naturlandschaften, wobei die Azoreninsel Flores die üppigste Vegetation zu bieten hat. Attraktionen dieser Insel sind sieben inzwischen erloschene Vulkane, in denen sich idyllische Seen gebildet haben, sowie die gewaltige Felsenhöhle Gruta dos Inchareus, die direkt am Meer liegt.

Sao Miguel ist die größte der Inseln und auf Sao Miguel gibt es viele Sehenswürdigkeiten und schöne historische Stadtviertel. Das sich auf der Insel befindende Fischerdorf Povocao wartet mit dem ältesten Gotteshaus auf und die Hauptstadt der Insel Ponto Delgado besticht mit dem dreibogigen Stadttor Portas da Cidade.

Eine Stadt auf Sao Miguel, Foto: Daniel Cox / Unsplash
Eine Stadt auf Sao Miguel, Foto: Daniel Cox / Unsplash

Sehr beliebt ist auch Graciosa, was vor allem an den guten Weinen liegt, die man hier genießen kann. Da viele Orte auf der Insel den Beinamen Branca tragen, wird Graciosa auch als weiße Insel bezeichnet. Diese zweitkleinste Insel der Azoren bietet unzählige Kirchen und ein interessantes Völkerkundemuseum. Eine wunderschöne Landschaft empfängt die Besucher von Graciosa. Gebirgige Gegenden verschaffen einen traumhaften Rundblick über die gesamte Region.

Die kleinste und gleichzeitig auch von Europa entlegenste Insel Corvo war ehemals ein aktiver Vulkan und besticht überwiegend durch grüne, typische Kraterweiden.

Die zu den Azoren gehörende Insel Santa Maria bietet sowohl hohe Gebirgszüge als auch weit überschaubare Ebenen. Sehenswert sind hier vor allem die Festung Sao Bras, das Santa Maria Museum sowie die Kirche Igreja da Nossa Senhora da Assuncao. Der imposanteste Berg der Azoren befindet sich auf der gleichnamigen Insel Pico, der gleichzeitig der höchste Berg Portugals ist.

Die Azoren sind überwiegend ein Urlaubsziel für alle Wanderfreunde und Naturverbundenen, die Ruhe suchen, um sich perfekt vom Alltagsstreß zu erholen. Besonders alle Whale-Wachting-Freunde kommen gerade auch auf den Azoren auf ihre Kosten. Es werden viele Touren angeboten, allerdings sollte man sich gut vorher erkundigen, denn nicht alle arbeiten auch im Interesse der Tiere.

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Fauna

Eine große Rolle spielen marine Arten. So sind im Laufe der Zeit vor den Küsten des Archipels 38 Wal- und Delphinarten gesichtet worden. Bedingt durch den warmen Golfstrom tummeln sich um die Inseln herum etwa 500 Fischarten, wodurch die Azoren eines der fischreichsten Gebiete der Welt sind.

Die Avifauna der Inseln ist artenarm. Es gibt lediglich zwei endemische Arten, davon ist der Azorengimpel am bekanntesten. Ihn gibt es nur noch in wenigen hundert Individuen im Nordosten von Sao Miguel. Häufig ist dagegen der „Cagarro“, der Sepiasturmtaucher (früher auch: Gelbschnabel-Sturmtaucher genannt, lat. Calonectris diomedea).

Die Azoren-Inseln bieten Seevögeln eine Ruhestation auf dem Zug ins Winter- oder Sommerquartier über den Atlantik, die Zugrouten der Landvögel verlaufen nicht über die Azoren. Viele Arten, die heute auf den Azoren vorkommen, wurden eingeführt. Außer Fledermäusen gibt es keine ursprünglich einheimischen Säugetierarten.

Unterwegs auf den Azoren

Innerhalb der Mittelgruppe gibt es Fähren, die regelmäßig nach Fahrplan fahren. Das ist in der Sommersaison eine gute Alternative zum Fliegen, zumal der Preis weitaus günstiger ist und es macht auch Spaß, sich einer Insel vom Meer aus zu nähern und vielleicht sogar das Glück zu haben, unterwegs Walen oder Delfinen zu begegnen.

Auf allen Inseln legen die Fähren überdies direkt in der jeweiligen Inselhauptstadt an, sodass längere Taxifahrten zum Flughafen überflüssig sind. Im Pendelverkehr fahren die Fähren zwischen Horta und Madalena. Nur selten (wenn überhaupt) fahren hingegen Fähren von der Mittel- zur Ost- und Westgruppe. Diese Fahrten dauern überdies recht lang, sodass man auf diesen Strecken meist mit einem SATA-Flug besser dran ist. Aktuelle Fahrplanauskünfte der Fährgesellschaft Transmaçor bekommt man im Internet.

Verkehrsmittel auf den Inseln

Mehrere Inseln (ganz besonders São Miguel) verfügen über ein gutes Linienbusnetz. Man sollte sich frühzeitig an der Haltestelle einfinden, denn die Busse fahren manchmal überpünktlich ab. Wenn man von einem vorbeifahrenden Bus mitgenommen werden möchte, muss man dem Fahrer ein deutliches Winkzeichen geben – auch an Haltestellen! Um dem Fahrer zu signalisieren, dass man an der nächsten Haltestelle aussteigen möchte, muss man die Glocke betätigen.

Achtung: Haltestellen sind nicht immer durch ein Schild kenntlich gemacht. Fahrkarten werden generell im Bus verkauft. Fahrpläne sind bei den örtlichen Tourist-Informationen erhältlich.

Leihwagen können auf allen Inseln (außer Corvo) gemietet werden. Der Abschluss einer Vollkasko-Versicherung ist unbedingt empfehlenswert.

Eine Straße auf den Azoren, Foto: Ftideiasemarketing / Pixabay
Eine Straße auf den Azoren, Foto: Ftideiasemarketing / Pixabay

Falls man auf den Azoren mit einem von einer Privatperson geliehenen Fahrzeug unterwegs ist, sollte man sich vorher informieren, ob die jeweilige Kfz-Versicherung auch für Fahrer, die aus dem Ausland stammen, haftet. Diese lässt sich leicht durch einen Anruf bei dem jeweiligen Versicherer abklären. Bei einigen Versicherern ist die Haftung für ausländische Fahrzeugführer ausgeschlossen. Das kann zu großem Ärger bei eventuellen Unfällen führen.

Taxis sind insbesondere auf kürzeren Strecken eine gute Alternative zum Leihwagen. Falls die Rückfahrt von einer Wanderung nur mit dem Taxi erfolgen kann, ist es am besten, gleich bei der Hinfahrt mit dem Fahrer die Abholung zu vereinbaren; die gesamte Bezahlung erfolgt zum Schluss. Auch Inselrundfahrten sind mit dem Taxi zu empfehlen, da man sich dann nicht um die Logistik zu kümmern braucht und sich ganz auf die Landschaft konzentrieren kann. Allerdings sollte man sich in diesem Fall einen Taxifahrer mit Englischkenntnissen suchen. In allen größeren Ortschaften gibt es Taxistände. Der Preis wird entweder anhand des Gebührenzählers oder der offiziellen Preisliste für alle Strecken ermittelt (vor Fahrtantritt fragen!). Bei längeren Fahrten berechnen die Fahrer Hin- und Rückfahrt.

Eine Rundfahrt über die Azoreninseln ist auch gerade mit einem Motorrad immer wieder ein Erlebnis. Es gibt Motorradverleihe, bei denen man sich problemlos eine Maschine für einen oder mehrere Tage mieten kann. Für den Fall der Fälle sollte man sich auch hier über eine entsprechende Versicherung bei der Anmietung absichern. Dann steht dem wunderbaren Fahrvergnügen durch die herrlichen Landschaften der Inseln nichts mehr im Wege.

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Air Lines & Flug-Infos

Obwohl die Azoren mitten im Atlantik liegen, ungefähr auf halber Strecke nach New York, sind sie von Deutschland aus recht gut zu erreichen, allerdings ist bei manchen Flügen doch ein Zwischenstopp in Lissabon oder Porto (Portugal) erforderlich, sodass man für den Fall der Fälle ggf. eine Übernachtung einplanen sollte.

Zwar sind die Azoren das ganze Jahr über eine Reise wert, doch nur im Sommerhalbjahr stehen die Chancen besonders gut, aus Frankfurt am Main, Hamburg oder Hannover die Inseln auch mit einem Billigflug zu erreichen. Am besten informiert man sich bei den einschlägigen Reiseanbietern oder auf den Seiten der Fluglinien im Internet über entsprechende Flugangebote. Nicht selten sind Last-Minute-Reisen dabei, für deren Reiseantritt man am besten schon vorher die Koffer gepackt haben sollte.

Delfine & Wale beobachten

Whale Watching ist auf den Azoren eine lukrative Einnahmequelle, Foto: Mayte Garcia Llorente / Unsplash
Whale Watching ist auf den Azoren eine lukrative Einnahmequelle, Foto: Mayte Garcia Llorente / Unsplash

Mitte der Achtzigerjahre ging auch auf Pico die Ära des Walfangs endlich zu Ende. 1987 wurde in der Walfabrik von Lajes do Pico der letzte Wal an Land gezogen. Das dortige Museum, Museu dos Baleeiros vermittelt einen Eindruck von den Mühen der Walfänger, die mit Fotos und Videos dokumentiert sind. Zu bewundern sind auch ein originales Fangboot samt Werkzeuge.

Auch in Sao Roque do Pico im gegenüberliegenden Inselnorden kann man im Museum Museu da Indústria Baleeira Zeugnisse der Walfangindustrie bewundern. Im renovierten Fabrikgebäude stehen heute noch die Kessel, in denen das Walfleisch gekocht wurde, am Dachfirst steht in großen Lettern die Aufschrift Vitamine, Waltran, Fischmehl und Dünger – Vitaminas Oleos Farinhas Adubos Armacoes Baleeiras Reunidas. In diesem Städtchen wird heute mit Whale Watching wesentlich mehr Geld verdient als es mit Walfang je möglich war.

Der mit Ruderbooten betriebene Walfang ist den Azorianern zum Eigenbedarf (ähnlich den Inuit / Eskimos) nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen erlaubt, dennoch stellten die Azorianer freiwillig den Walfang 1987 ein nach dem Portugal 1981 dem Abkommen beitrat.

Whale Watching ist in vielen Orten auf der Insel möglich. In der Saison, wenn die Wale an den Azoren vorbeiziehen ist die Chance jedoch ausgezeichnet, Wale und Delfine zu beobachten.

In Lajes auf der Insel Pico gibt es zwei Museen zum Thema Wale und Walfang. Da die Geschichte der gesamten Insel von den Tieren stark geprägt ist, ist es den Bewohnern besonders wichtig, diesen Teil ihrer Tradition auch für Touristen verständlich darzustellen. Ein Besuch in beiden Einrichtungen gestaltet sich sehr informativ und spannend.

Informationszentrum

In der alten Walfangfabrik etwa einen Kilometer westlich des Zentrums von Lajes befindet sich ein Informationszentrum. Früher wurden die Tiere dort zerlegt und verarbeitet, heute gibt es Informationen rund um die Wale und deren Fang. Seit Ende des Walfangs wurden noch für eine Weile Thunfische in der Fabrik verarbeitet. Danach war sie Unterstand für verschiedene Baumaterialien, bis sie 2008 nach einem Umbau als Museum eröffnet wurde. Die Kessel und Öfen aus alten Zeiten sind nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Dazu gibt es Informationen über Wale und Delfine.

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Kultur auf den Azoren

Die Architektur der Azoren ist geprägt durch den Kontrast zwischen schwarzem Vulkangestein und weißem Stuck.

Religiöse Feste, Schutzheilige und traditionelle Feiertage prägen den azoreanischen Kalender. Die wichtigsten religiösen Ereignisse sind mit den Festen verbunden, die mit dem Kult des Heiligen Geistes verbunden sind, allgemein als Feste des Heiligen Geistes (oder Espírito Santo) bezeichnet, die im millenarischen Dogma verwurzelt sind und auf allen Inseln von Mai bis September stattfinden. Diese Feste sind für die Azoreaner, die hauptsächlich römisch-katholisch sind, bedeutungsvoll und verbinden religiöse Rituale mit Prozessionen, die das Wohlwollen und die Gleichberechtigung der Nachbarn feiern.

Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen stehen treatros oder impérios, kleine Gebäude, in denen die Mahlzeiten, die Anbetung und die Wohltätigkeit der Teilnehmer stattfinden und die zur Aufbewahrung der mit den Veranstaltungen verbundenen Artefakte dienen. Auf Terceira zum Beispiel sind diese impérios zu kunstvollen Gebäuden herangewachsen, die von den örtlichen Bruderschaften in ihren jeweiligen Pfarreien bemalt und gepflegt werden.

Die Veranstaltungen konzentrieren sich auf die Mitglieder der örtlichen Gemeinden, nicht auf Touristen, aber alle sind willkommen, da das Teilen eines der Hauptprinzipien der Festivals ist. Einige begrenzte Veranstaltungen sind auch auf Touristen ausgerichtet, z. B. eine öffentliche Veranstaltung, die die Stadtverwaltung von Ponta Delgada auf der Insel São Miguel abhält.

Das Fest des Heiligen Herrn Christus der Wunder (Senhor Santo Cristo dos Milagres) in Ponta Delgada ist die größte religiöse Einzelveranstaltung auf den Azoren und findet am Rogationssonntag statt. Pilger aus der portugiesischen Diaspora reisen normalerweise nach Ponta Delgada, um an einer nachmittäglichen Prozession hinter dem Christusbild durch die blumengeschmückten Straßen der Stadt teilzunehmen. Obwohl die feierliche Prozession nur an einem Tag stattfindet, erstrecken sich die Ereignisse des Festes des Senhor Santo Cristo über einen Zeitraum von einer Woche und beinhalten ein Ritual, bei dem das Bildnis jede Nacht zwischen der Hauptkirche und dem Kloster hin- und herbewegt wird, was schließlich in der Prozession gipfelt, die innerhalb der Azoren und in der portugiesischen Diaspora im Fernsehen übertragen wird.

Die Kirche in Ponta Delgada ist eine der Sehenswürdigkeiten auf den Azoren - nicht nur an Feiertagen, Foto: Comanche0 / Pixabay
Die Kirche in Ponta Delgada ist eine der Sehenswürdigkeiten auf den Azoren – nicht nur an Feiertagen, Foto: Comanche0 / Pixabay

Das Sanjoaninas-Fest in Angra do Heroísmo auf Terceira wird im Juni zu Ehren des Heiligen Antonius, des Heiligen Petrus und des Heiligen Johannes des Täufers in einer großen religiösen Feier abgehalten. Das Fest „Nossa Senhora de Lourdes“, Schutzpatronin der Walfänger, beginnt in Lajes auf der Insel Pico am letzten Sonntag im August und zieht sich durch die Walfänger-Woche. Sie ist geprägt von sozialen und kulturellen Veranstaltungen, die mit der Tradition der Waljagd verbunden sind. Das Weinlesefest (Festa das Vindimas), findet in der ersten Septemberwoche statt und ist ein jahrhundertealter Brauch der Bewohner von Pico.

Auf Corvo feiern die Menschen jedes Jahr am 15. August ihre Schutzpatronin Nossa Senhora dos Milagres, zusätzlich zu den Festen des göttlichen Heiligen Geistes. Das Festival da Maré de Agosto (August-Meeresfest), findet jedes Jahr ab dem 15. August in Praia Formosa auf Santa Maria statt. Auch die Semana do Mar (Meereswoche), die fast ausschließlich dem Wassersport gewidmet ist, findet im August in der Stadt Horta, auf Faial, statt.

Auf den Azoren wird auch der Karneval gefeiert. Paraden und Umzüge sind das Herzstück der Karneval-Festivitäten. Es gibt lebhafte Musik, bunte Kostüme, handgefertigte Masken und Festwagen. Die traditionellen Stierkämpfe in der Stierkampfarena finden ebenso statt wie das Stierrennen auf den Straßen.

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