Europa

Die Top-50-Sehenswürdigkeiten weltweit | Teil 2

Italien – Ätna, der aktivste Vulkan Europas

Immer wieder kann man solche spektakulären Ausbrüche des Ätna erleben, Foto: Shawn Appel / Unsplash
Immer wieder kann man solche spektakulären Ausbrüche des Ätna erleben, Foto: Shawn Appel / Unsplash

Der Ätna ist mit einer Höhe von 3.323 Metern der höchste Vulkan des europäischen Kontinents. Er besitzt vier Gipfelkrater, die im Verlauf der letzten 100 Jahre als Folge von Eruptionen entstanden sind. Die Höhe des Vulkans ändert sich stetig in Abhängigkeit von den immer wiederkehrenden Ausbrüchen.

Im Verlauf mehrerer Jahrtausende haben sich weit über 400 Nebenkrater am Ätna gebildet. Die Entstehung des Vulkans liegt rund 600.000 Jahre zurück. Er entstand durch den Ausbruch unterseeischer Vulkane, die Eruptionsmaterial nach oben beförderten und den Vulkan über die Meeresoberfläche anhoben. Das Ätna-Massiv besitzt einen Umfang von rund 250 Kilometern und bedeckt eine Fläche von mehr als 1.250 km². Der Vulkan liegt auf einer interkontinentalen Störungszone, die als Messina-Verwerfung bezeichnet wird. An dieser Stelle stoßen die Eurasische Platte und die afrikanische Kontinentalplatte aufeinander, wobei sich die afrikanische Platte unter die Eurasische schiebt. In der Folge entstehen in dieser Region immer wieder Erdbeben. Während der Eruptionen reißen an den Flanken des Berges tiefe Spalten auf, aus denen heiße Lava strömt. Bedingt durch den hohen Gehalt an Kieselsäure ist die Lava des Ätna recht dünnflüssig. Gase können bei dieser Konsistenz entweichen und führen nicht zum Aufbau eines Überdrucks, der sich explosionsartig entlädt. Damit unterscheidet sich der Ätna deutlich vom Vesuv bei Neapel, der eine andere geologische Struktur besitzt.

Die fruchtbaren Lavaböden am Fuß des Ätna ließen in den zurückliegenden Jahrtausenden eine dichte Besiedlung entstehen. In Abhängigkeit von der Höhe und den damit verbundenen unterschiedlichen Vegetationszonen gedeihen Zitrusfrüchte, Oliven, Pistazien und Feigen an den Berghängen des Ätna. Im Jahr 1987 wurde der Regionalpark Parco dell’Etna eingerichtet, der ein 58.000 Hektar großes Areal unter Naturschutz stellte. Der Ätna ist permanent aktiv und die Geschichte verheerender Ausbrüche lässt sich bis in vorchristliche Zeit zurückverfolgen. Im Jahr 1669 ereignete sich der bisher schwerste Ausbruch der Neuzeit. Damals wurden große Teile der Hafenstadt Catania unter Lavaströmen begraben. Der bislang schwerste Ausbruch im 21. Jahrhundert ereignete sich in der Nacht vom 16. zum 17. November 2013. Dabei schleuderte der Vulkan Lavafontänen bis zu 600 Meter hoch in den Himmel.

Die touristische Nutzung des Feuer speienden Berges wurde zur Mitte des 20. Jahrhunderts forciert. Über die Strada dell’ Etna gelangen Besucher bis auf eine Höhe von 1.995 Meter. Seit August 2004 ist eine neue Seilbahn in Betrieb, die Touristen bis auf eine Höhe von 2.500 Metern befördert. Von der Bergstation ist eine Weiterfahrt mit Bussen bis auf eine Höhe von rund 3.000 Metern möglich. Die Umrundung des Ätna-Massivs ist mit einer Eisenbahn möglich. Die Ferrovia Circumetnea beginnt in Catania und fährt auf einer Länge von 110 Kilometern fast einmal komplett um das Vulkan-Massiv. Der Faszination des Ätna war bereits der deutsche Dichter und Lyriker Johann Wolfgang von Goethe erlegen, der im Rahmen seiner Italien-Reise am Ende des 18. Jahrhunderts der Mittelmeerinsel Sizilien einen Besuch abstattete.

Kanada – CN-Tower in Toronto

Der CN-Tower am Abend, Foto: Juan Rojas / Unsplash
Der CN-Tower am Abend, Foto: Juan Rojas / Unsplash

Der CN-Tower erhebt sich am Ufer des Ontariosees in der kanadischen Millionenmetropole Toronto. Der Turm befindet sich außerhalb des Stadtzentrums und gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Kanadas. Rund 2 Millionen Besucher pro Jahr genießen von der Aussichtsplattform des Fernsehturms den faszinierenden Rundblick über den Ontariosee und Toronto. Der CN-Tower wurde im Jahr 1976 nach einer Bauzeit von nur 40 Monaten eingeweiht. Zur Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts war die kurze Bauphase für das gewaltige Projekt rekordverdächtig. Fortan war der Canadian National Tower mit einer Höhe von 553 Metern das höchste Bauwerk auf der Erde. Diese Spitzenposition verlor der CN-Tower erst im Jahr 2007 an das Burj Khalifa in Dubai, das den Funkturm mit einer Gesamthöhe von 555,30 Metern um gut zwei Meter überragt.

Sein Aussehen verdankt der CN-Tower der ungewöhnlichen Bauweise. Der Turmschacht besteht aus einer Röhre mit einem sechseckigen Querschnitt, die von drei außen verlaufenden Rippen gestützt wird. Der CN-Tower ähnelt aus diesem Grund einer riesigen Skulptur. Diese Bauweise bot dem Wind rund drei- bis viermal mehr Angriffsfläche als eine runde Form. Dessen ungeachtet hält der CN-Tower Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h problemlos stand. Der Turm besitzt ein Gesamtgewicht von 130.000 Tonnen, die von einem sechs Meter dicken Betonfundament getragen werden. Das Fundament besitzt einen Durchmesser von 70 Metern. Der Canadian National Tower wurde als klassischer Fernsehturm mit dem Zweck errichtet, die Funkübertragung zu verbessern. Ursprünglich war es nicht geplant, den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für touristische Zwecke zu nutzen. Der Turmkorb besitzt einen Durchmesser von 36,50 Metern. Der untere Teil besteht aus einem teflonbeschichteten Kunststoffring. Dahinter verbergen sich die Antennen und Sendeanlagen für die Funkübertragung.

Zwei Ebenen des CN-Towers sind für Besucher zugänglich. Der Main Pod befindet sich in einer Höhe von rund 350 Metern und besteht aus mehreren Sektoren. Mit dem Outdoor Observation Deck und dem Glas Floor liegen zwei Aussichtsplattformen in einer Höhe von 342 Metern. Vier Meter höher liegt ein Café und in 351 Meter Höhe befindet sich ein Gourmet-Restaurant mit einem fantastischen Rundumblick. Innerhalb von 72 Minuten dreht sich das Restaurant um 360 Grad. Rund 400 Besucher finden hier Platz. Die Attraktion dieser Ebene ist der gläserne Boden des Glas Floors. Dabei handelt es sich um einen Teil der Beobachtungsplattform, dessen Boden aus durchsichtigem Panzerglas besteht. Da sich nur wenige Besucher in der schwindelerregenden Höhe auf den gläsernen Untergrund wagten, wurden Teilbereiche mit einem Teppichboden abgedeckt. Das Outdoor Observation Deck ist ein umlaufender, offener Gang, der mit einem Gittergerüst gesichert ist. Mit dem Sky Pod befindet sich die höchstgelegene Aussichtsplattform der Welt auf einer Höhe von 447 Metern. Die sogenannte Himmelskapsel bietet Ihnen einen faszinierenden Ausblick über Teile der Provinz Ontario und die großen Seen. Bei guter Sicht ist in einer Entfernung von rund 100 Kilometern die weiße Gischt der Niagarafälle zu erkennen. Die Lufttemperatur liegt in dieser Höhe rund 10 Grad unter den Werten am Boden. Im Erdgeschoss des CN-Towers befinden sich eine Erlebnisausstellung und ein Multimedia-Zentrum. Dort haben Sie die Gelegenheit, einen Flug- und Weltraumsimulator und eine Dokumentation über die Bauphasen des Fernsehturms zu besuchen. Sechs gläserne Aufzugskabinen führen an der Außenwand des Turmes in die Höhe. Sie bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 6 m/s und geben unterwegs den Blick auf den Hafen und den Ontariosee frei. Der CN-Tower übernimmt durch seine gewaltige Höhe für die Gebäude in der näheren Umgebung die Funktion eines Blitzableiters. Mehr als 75 Blitzeinschläge in das Bauwerk werden alljährlich registriert.

Kanada – Glacier Nationalpark

Natur pur: der Glacier National Park, Foto: Justin Pritchard / Unsplash
Natur pur: der Glacier National Park, Foto: Justin Pritchard / Unsplash

Steile Felswände, enge Schluchten und unzählige Gletscher machen den Glacier National Park in der Provinz British Columbia zu einer viel besuchten Touristenattraktion Kanadas. Die Fläche des Parks umfasst ein Gebiet von knapp 1.350 Quadratkilometern und erstreckt sich von den Selkirk Mountains bis zu den Purcell Mountains. Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche befindet sich oberhalb der Baumgrenze. Mehr als zehn Prozent des Glacier National Parks sind von Gletschern bedeckt. Bis zu 17 Meter Neuschnee fallen alljährlich in den Bergregionen des Parks. Damit gehörten die winterlichen Niederschlagsmengen zu den ergiebigsten der Erde. Im Sommer stauen sich die Wolken des Pazifischen Ozeans an den Gebirgszügen und regnen mit gewaltigen Niederschlagsmengen ab. Durch die starken Schneefälle wachsen die Gletscher im Glacier National Park alljährlich an.

Die Auffaltung der Bergketten begann vor rund 170 Millionen Jahren. Bei diesen geologischen Prozessen entstanden entlang der Bruchlinien tiefe Täler und gewaltige Höhlen. Die Nakimu Höhle gehört zu den größten Höhlensystemen Kanadas. Rund sechs Kilometer an unterirdischen Gängen und Hallen sind erforscht. Die Höhle befindet sich in einer Kalksteinschicht und entstand durch das Regen- und Schmelzwasser des Cougar Brook. Die Bergketten der Selkirk Mountains und Purcell Mountains werden durch den Beaver River voneinander getrennt. Die erste Besiedlung des heutigen Nationalparks durch europäische Einwanderer erfolgte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Zuvor war die Region von indianischen Ureinwohnern bewohnt, die vom ungeheuren Wildreichtum der Bergwelt profitierten. Im Jahr 1910 wurde der Nationalpark eingerichtet.

Bedingt durch das raue Klima in den Höhenlagen existiert nur in den Tälern eine geschlossene Vegetationsdecke. In den tiefer gelegenen Bereichen des Nationalparks wächst der einzige Regenwald der gemäßigten Klimazone. Neben Riesen-Lebensbäumen und Weymouthkiefern gedeihen in dem Wald Gebirgstannen, Engelmann-Fichten und zahlreiche Farnarten. Einige Bäume sind mehr als 1.000 Jahre alt.  Die artenreiche Tierwelt des Glacier National Parks umfasst zahlreiche große Säugetier- und Vogelarten. Grizzlybären, Schwarzbären und Vielfraße zählen zu den imposantesten Vertretern der Säugetiere. Darüber hinaus leben am Beaver River Bisamratten und Biber sowie eine kleine Gruppe Elche. In den höher gelegenen Bereichen können Sie Schneeziegen, Murmeltiere und kleine Pikas beobachten. Knapp 200 Vogelarten bevölkern nahezu sämtliche Lebensbereiche des Parks. Weißkopfseeadler, Steinadler und Schneehühner sind im Glacier National Park heimisch. Die beste Zeit zur Beobachtung der Grizzlybären liegt in den Monaten Mai und Juni. Dann sind die Riesen aus dem Winterschlaf erwacht und begeben sich hungrig auf Nahrungssuche. Bei Übernachtungen auf Campingplätzen im Park ist die Verpflegung in speziellen Aufbewahrungsröhren in eigens aufgestellten Lagerzelten zu deponieren, um die Vorräte vor dem Zugriff durch die Bären zu schützen.  Am Roger Pass befindet sich das Besucherzentrum des Glacier National Parks. Die Einrichtung ist die zentrale Anlaufstelle für Besucher, die zu Ausflügen in die Berg- und Gletscherwelt aufbrechen wollen. Wenn Sie mit dem Wohnmobil im Park unterwegs sind, haben Sie die Wahl zwischen drei Campingplätzen als Übernachtungsmöglichkeit. Auf insgesamt zehn markierten Wanderwegen erkunden Sie die faszinierenden Landschaften des Parks. Anhänger des Klettersports finden anspruchsvolle Routen, die durch felsige Schluchten und über vereiste Berghänge führen. Sie haben die Möglichkeit, sich einer geführten Wanderung oder Klettertour anzuschließen. Die zahlreichen Wasserwege und glasklaren Seen können Sie im Rahmen einer Bootstour erkunden. An der Lake McDonald Lodge am Ufer des gleichnamigen Sees werden Boote stundenweise vermietet. An der Westgrenze des Glacier National Parks bahnt sich mit dem Flathead River ein reißender Wildwasserfluss seinen Weg durch die Canyons. Auf dem Gewässer werden Rafting-Touren mit Schlauchbooten angeboten. Der Fischreichtum der Flüsse und Seen lockt in den Sommermonaten zahlreiche Sportangler an. Bei der Parkverwaltung erhalten Sie eine Lizenz, mit der Sie in den Genuss kommen, Ihr Glück beim Fischen zu probieren.

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USA & Kanada – Niagarafälle, ein spektakuläres Naturschauspiel

Die Niagara-Fälle mal von oben, Foto: Cameron Venti / Unsplash
Die Niagara-Fälle mal von oben, Foto: Cameron Venti / Unsplash

Die Niagarafälle liefern Ihnen ein überwältigendes Naturschauspiel. Das Donnern der gewaltigen Wasserfälle ist bereits aus großer Entfernung zu vernehmen. Durchschnittlich 4 Millionen Liter Wasser rauschen tagsüber jede Sekunde über eine steile Felskante in die Tiefe. Die Niagarafälle liegen zwischen dem Erie- und dem Ontariosee. Sie gleichen den Höhenunterschied zwischen den beiden riesigen Binnengewässern aus. Gebildet werden die Wasserfälle im Niagara River, der beide Seen miteinander verbindet. Die Niagarafälle teilen sich in die amerikanischen und die kanadischen Fälle auf. Der Fluss wird durch die kleine Insel Goat Island gespalten, die mitten aus dem Fluss in die Höhe ragt. Zwischen beiden Wasserfällen verläuft die Grenze zwischen Kanada und den USA. Der kanadische Teil der Niagarafälle besitzt eine Kantenlänge von 792 Metern. Die amerikanischen Fälle besitzen eine Länge von 363 Metern. Wegen ihrer markanten Sichelform werden die kanadischen Fälle Horseshoe Falls genannt. Die Wassermassen stürzen auf der kanadischen Seite aus einer Höhe von 52 Metern in die Tiefe.

Den Namen erhielten die imposanten Wasserfälle von den indianischen Ureinwohnern. Niagara bedeutet „Donnerndes Wasser“ und die Fälle werden dieser Bezeichnung in jeder Hinsicht gerecht. Die gesamte Schlucht des Niagara Rivers ist tagsüber in eine nebelartige Gischt gehüllt, die aus winzigen Wassertröpfchen besteht. Nachts wird die Wassermenge reguliert. Rund 90 Prozent des Gesamtvolumens wird umgeleitet und zur Energiegewinnung genutzt. Die Niagarafälle sind von herrlichen Parks umgeben, die Ihnen von unterschiedlichen Punkten immer neue Aussichten auf die Wasserfälle ermöglichen. Einen traumhaften Blick auf die Wassermassen haben Sie von der Insel Goat Island. Von der US-amerikanischen Seite gelangen Sie kostenlos über Fußgängerbrücken auf das Eiland. Ein spektakuläres Erlebnis ist eine Fahrt mit dem Lift hinter die Wasserfälle. Die Aufzüge befinden sich auf Goat Island und Sie gelangen bis auf wenige Meter an die strömenden Fluten heran.

Herrliche Ansichten bieten die Niagarafälle von der Rainbow Bridge. Die Brücke führt unterhalb der Fälle auf die kanadische Seite. In der tosenden Gischt können Sie immer neue Farbspiele beobachten. Ein besonderes Erlebnis ist eine Fahrt mit den sogenannten „Maid of the Mist“. Dabei handelt es sich um Boote, die Sie gemeinsam mit anderen Besuchern unmittelbar in die Nähe der Fallzone des Wassers bringen. Da ein komplettes Durchnässen der Kleidung in dieser Zone unvermeidlich wäre, wird Ihnen beim Besteigen des Bootes Regenbekleidung zur Verfügung gestellt. Die Fahrten finden in den Sommermonaten täglich von 9 bis 19 Uhr statt. Eine völlig andere Perspektive bietet sich Ihnen bei einem Besuch auf einem der beiden Aussichtstürme am Rand der Niagarafälle. Der Skylon Tower besitzt eine Höhe von 223 Metern und der Minolta Tower kommt auf eine Höhe von 200 Metern. Aus der Vogelperspektive ist der Verlauf des Niagara Rivers besonders gut zu erkennen. Noch aufregender ist ein Helikopterrundflug über die tosenden Wasserfälle. In der kanadischen Ortschaft Niagara Falls können Sie Rundflüge dieser Art buchen. Dort befindet sich darüber hinaus ein riesiges IMAX-Kino, das Ihnen ein Kinoerlebnis der außergewöhnlichen Art bietet. Auf einer sechs Stockwerke hohen Leinwand wird das Naturschauspiel eindrucksvoll mit einer 12.000 Watt Soundanlage wiedergegeben. Nach Einbruch der Dunkelheit verwandeln eindrucksvolle Farbspiele die Wasserfälle in eine surrealistische Welt. Alle fünf Minuten wechseln die Farben der Scheinwerfer und machen aus den Niagarafällen leuchtende Wasserspiele. Im Winter friert der Fluss unterhalb der Wasserfälle regelmäßig zu. Die nachrückenden Wassermassen und die gefrierenden Wassertröpfchen der Gischt türmen mitunter mächtige Eisschollen auf, die auf Eisberge von bis zu 30 Meter Höhe anwachsen können. An der Mündung des Niagara Rivers in den Ontariosee liegt das kanadische Städtchen Niagara-on-the-Lake. Der Ort ist das Zentrum des kanadischen Niagara-Weinanbaugebietes. Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert gegründet und empfängt Sie mit einem liebenswürdigen Charme.

USA – Everglades

Nicht nur Alligatoren leben in den Everglades, sondern auch an die 40 Vogelarten, darunter der Anhinga (Amerikanischer Schlangenhalsvogel), Foto: Sterlinglanier Lanier / Unsplash
Nicht nur Alligatoren leben in den Everglades, sondern auch an die 40 Vogelarten, darunter der Anhinga (Amerikanischer Schlangenhalsvogel), Foto: Sterlinglanier Lanier / Unsplash

Die Everglades liegen südlich der Metropole Miami und sind von der Großstadt schnell zu erreichen. Bei den Feuchtgebieten handelt es sich um eine Wasserader von bis zu 60 Kilometer Breite, die in einigen Regionen eine Tiefe von nur wenigen Zentimetern besitzt. Aus diesem Grund werden die Everglades auch Grasfluss genannt. Weite Teile der Feuchtgebiete bestehen aus einer sumpfigen Grasfläche. Einzelne Bäume wachsen nur in höher gelegenen Bereichen. Im südlichen Teil der Everglades erstreckt sich der gleichnamige Nationalpark. Das Areal ist ein naturbelassenes, geschütztes Gebiet, das in seiner Ursprünglichkeit komplett erhalten ist. Die einzige Zufahrt führt von Florida City nach Flamingo. Am Straßenrand zum Eingang des Nationalparks befindet sich ein Besucherzentrum, in dem Sie Informationen zur Tier- und Pflanzenwelt der Everglades erhalten. Campingplätze befinden sich in der Nähe der Ortschaft Flamingo.

In den ausgedehnten Feuchtgebieten ist eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt beheimatet, die Sie auf den ausgebauten Wegen entdecken können. Eine besonders vielfältige Fauna finden Sie im Shark Valley. Das Tal zweigt rund 35 Kilometer hinter Miami vom Highway ab und empfängt Sie mit einer einzigartigen Vegetation und einer artenreichen Tierwelt. In dem tropischen Klima gedeihen Mangroven, Palmen und Zypressen. Viele Arten sind endemisch und kommen ausschließlich in den Everglades vor. Die Pflanzen haben sich perfekt an die äußeren Bedingungen angepasst und benötigen eine nährstoffreiche Mischung aus Salz- und Süßwasser zum Überleben. Das Shark Valley können Sie auf unterschiedlichen Wegen erkunden. Vom Observation Tower haben Sie einen fantastischen Blick über die weiten Feuchtgebiete. Besonders idyllisch ist der sogenannte Otter Cave Walk. Dieser Wanderweg führt durch tropische Wälder, die von plätschernden Bächen durchzogen werden. Sie müssen winzige Brücken überqueren und können in den Baumkronen zahlreiche Vogelarten beobachten.

In den Everglades erwartet Sie eine artenreiche Tierwelt, die Sie bei Ausflügen mit dem Airboot oder im Rahmen von Wanderungen bewundern können. Die enorme Artenvielfalt an Land schließt Schwarzbären, Waschbären und Pumas ein. Weit verbreitet sind Alligatoren und Krokodile. Alligatoren leben ausschließlich im Süßwasser und meiden die Nähe von Menschen. Das Füttern der Reptilien ist streng verboten und Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. Krokodile treffen Sie eher in Salzwassernähe in den Küstenregionen an. Die Tiere sind bedeutend größer als die Alligatoren und wesentlich angriffslustiger. Die Nähe zu den großen Echsen ist beim Aufenthalt in den Everglades unbedingt zu vermeiden. Die im Nationalpark lebenden rosafarbenen Flamingos sind die einzigen wild lebenden Vertreter ihrer Art in den Vereinigten Staaten. Neben den großen Wasservögeln sind Kormorane, Ibisse, Pelikane und Störche in den Feuchtgebieten beheimatet. Der Bestand an Florida-Pumas liegt zwischen 80 und 100 Exemplaren und ist stark rückläufig. Die Raubtiere gehören inzwischen zu den bedrohten Arten.

Zu den beliebtesten Arten der Erkundungsreise in den Everglades gehören Bootstouren mit dem Propellerboot. Die Ausflüge dauern unterschiedlich lange und umfassen einen Zeitraum von einer Stunde bis hin zu einem ganzen Tag. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Hausboot zu mieten und die Feuchtgebiete im Rahmen einer mehrtägigen Tour auf eigene Faust zu erkunden. Die Boote werden in Everglades City vermietet. Bei Ausflügen zu Fuß sollten Sie aus Sicherheitsgründen nie die markierten Wege verlassen. Die Gefahr, die Orientierung zu verlieren und sich zu verirren ist groß und die Gefährlichkeit der Alligatoren ist nicht zu unterschätzen. Seit den 1980er-Jahren breiten sich aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Tigerpythons mit großer Geschwindigkeit in den Everglades aus. Den riesigen Würgeschlangen fiel bereits ein Großteil der kleineren Säugetiere zum Opfer. Größere Tiere wie Alligatoren und der Florida-Panther werden durch die Schlangen ebenfalls bedroht. Versuche, den Tigerpython dauerhaft im Nationalpark auszurotten, schlugen bisher fehl.

Ecuador – Galapagos-Inseln, einzigartige Vielfalt

Eine der berühmten Galapagos-Schildkröten, Foto: Magdalena Kula Manchee / Unsplash
Eine der berühmten Galapagos-Schildkröten, Foto: Magdalena Kula Manchee / Unsplash

Die Galápagos-Inseln sind vulkanischen Ursprungs und liegen am Äquatorgürtel. Im Jahr 1978 wurde der gesamte Insel-Archipel in die Weltnaturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Die Inselgruppe setzt sich aus 13 Hauptinseln und mehr als 100 kleineren Eilanden zusammen. Einige sind nur wenig mehr als kleine felsige Erhebungen im Meer. Fünf Inseln sind dauerhaft besiedelt. Die Galápagos-Inseln stehen unter strengem Naturschutz und das Betreten der Landflächen und Befahren der Gewässer sind ausdrücklich reglementiert. Die Einführung fremder Tier- und Pflanzenarten im 19. Jahrhundert führte zu einer Bedrohung zahlreicher endemischer Arten auf dem Archipel. Lange Zeit war die Galápagos-Meeresschildkröte vom Aussterben bedroht, weil eingeführte Katzen, Hunde und Ratten die Gelege der seltenen Meeresbewohner plünderten und Ziegen ihnen die Nahrung an Land wegfraßen. Erst gezielte Maßnahmen, die der Bekämpfung von Kleinraubtieren und der Dezimierung der Ziegenpopulation dienten, führten zu einer Erholung der Bestände an Meeresschildkröten.

Trotz der unmittelbaren Lage in Äquatornähe ist das Klima auf den Galápagos-Inseln eher gemäßigt. Grund dafür sind nährstoffreiche kalte Meeresströmungen, die am Galápagos-Archipel aufsteigen und die Temperaturen selten über die 30-Grad-Marke steigen lassen. Die höchsten Werte werden in der Regenzeit zwischen Januar und April erreicht. In der Trockenzeit fällt die Lufttemperatur auf durchschnittlich 21 Grad. Alle paar Jahre sorgt das Naturphänomen El-Niño für eine Veränderung der Meeresströmungen und deutlich höhere Niederschlagsmengen. Die warmen Meeresströmungen dominieren in diesen Zeitabschnitten und haben erheblichen Einfluss auf das empfindliche Ökosystem der Galápagos-Inseln. Die Landfläche der gesamten Inselgruppe erstreckt sich über ein Gebiet von rund 7.900 km². Höchster Punkt des Archipels ist der Gipfel des Vulkans Wolf auf der größten Insel Isabela mit einer Höhe von rund 1.700 Metern.

Die einzigartige Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt ist gleichzeitig die größte Attraktion der Galápagos-Inseln. Die Inselgruppe gehört zu den wichtigsten Eiablageplätzen der Meeresschildkröten, ist die Heimat von zahlreichen endemischen Echsenarten und Brutrevier unzähliger Seevogelarten. Blaufußtölpel, Galápagos-Albatrosse und Darwinfinken stehen als Beispiel für die perfekte Anpassung der Tierwelt an einen isoliert liegenden Lebensraum. Sämtliche Tiere des Archipels zeigen kaum natürliche Scheu vor den Menschen und erlauben die Beobachtung aus nächster Nähe. Große Kolonien von Seelöwen und Galápagos-Seebären sind auf den Inseln des Archipels beheimatet. In den Küstengewässern tummeln sich 37 Haiarten und es können Manta-, Stachel- und Adlerrochen auf Tauch- oder Schnorchelausflügen beobachtet werden. Neun verschiedene Reptilienarten bevölkern die Küstenregionen und Trockenzonen im Inselinneren. Zu den häufigsten Vertretern gehören Lavaechsen, Landleguane und rötlich schimmernde Meerechsen. Daneben ist auf der Inselgruppe mit dem Galápagos-Pinguin die zweitkleinste Art der flugunfähigen Vögel beheimatet.

Der Tourismus hat sich auf den Galápagos-Inseln zur größten Einnahmequelle entwickelt, wobei die Besucherzahlen wegen des sensiblen Ökosystems stark reglementiert werden. Die Anreise erfolgt in der Regel mit dem Flugzeug oder den Kreuzfahrtschiffen. Besucher benötigen für den Aufenthalt in der Inselgruppe ein spezielles Visum, das vor dem Abflug erworben werden muss. Im Zentrum der touristischen Aktivitäten liegen die Inseln Santa Cruz, San Christóbal und Isabela. Die Meeresströmungen und die davon abhängigen Temperaturen und Witterungsbedingungen auf der Inselgruppe beeinflussen nachhaltig die Tier- und Pflanzenwelt im Galápagos-Archipel. Zu jeder Jahreszeit sind bestimmte Vertreter der Fauna zu sehen. Die Regenzeit neigt sich im April ihrem Ende entgegen. Zu dieser Zeit beginnen die grünen Meeresschildkröten zu schlüpfen und die Balzzeit der Galápagos-Albatrosse beginnt. Die Sicht unter Wasser ist zu dieser Zeit am besten und lockt zahlreiche Taucher und Schnorchler auf die Inseln. Im Juli beginnt die Hauptbrutzeit vieler Seevögel. In diesem Monat ist die Wahrscheinlichkeit auf Delfin- und Walsichtungen vor der Küste der Insel Isabela besonders hoch, während im November kurz vor Beginn der Regenzeit zahlreiche junge Seelöwen die Küstengewässer bevölkern.

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Peru – Machu Picchu, Ruinenstadt der Inkas

Willkommen auf dem Machu Picchu, Foto: Nathalie Marquis / Unsplash
Willkommen auf dem Machu Picchu, Foto: Nathalie Marquis / Unsplash

Die Ruinen der Inkastadt Machu Picchu gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und sind eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in Südamerika. Die Entstehung der Höhensiedlung geht auf den Inkaherrscher Pachacutec Yupanqui zurück, der zur Mitte des 15. Jahrhunderts die Errichtung angeordnet haben soll. Auf ihn geht unter anderem der Inkakult um den Sonnengott Inti zurück. Die gut erhaltene Ruinenstadt umfasst 216 Steingebäude, die auf mehreren Terrassen auf einem Bergrücken liegen. Treppen überwinden die Höhenunterschiede innerhalb der Stadt. Der gute Erhaltungszustand von Machu Picchu erlaubt bis heute einen umfassenden Einblick in das Leben der Inkas im 15. Jahrhundert. In der Blütezeit sollen rund 1.000 Menschen in der Stadt gelebt haben. Den Namen erhielt die Inkasiedlung nach einem der Berggipfel, die die Stadt umgeben. Die ursprüngliche Bezeichnung ist bis heute unbekannt.

Historische Aufzeichnungen oder Überlieferungen über Machu Picchu existieren nicht und über den Zweck der Höhensiedlung herrscht bis heute weitestgehend Unklarheit. Vermutungen darüber beruhen auf den archäologischen Funden, die im Stadtgebiet von Machu Picchu gemacht wurden. Auf dem Areal wurden mehr als 50 Grabstätten entdeckt. Dieser Fund gab den Forschern Anlass zu der Annahme, dass es sich bei der Stadt um eine religiöse Zufluchtsstätte für die Angehörigen der alten Hochkultur gehandelt haben könnte. Im Zuge des Bürgerkrieges, der die Gesellschaft der Inkas noch zur Ankunft der Spanier im Jahr 1532 spaltete, soll die Höhensiedlung an Bedeutung verloren haben und aufgegeben worden sein. Andere Theorien gehen davon aus, dass die Eroberung Perus durch die Spanier den Bauarbeiten an der Stadt ein Ende gesetzt haben sollen. Gegen diese Annahme spricht der archäologische Befund, der belegt, dass es sich bei Machu Picchu um eine voll funktionsfähige Siedlung mit Wasserversorgung, Tempelanlagen und Bodenentwässerung gehandelt hat.

Als offizieller Zeitpunkt der Entdeckung von Machu Picchu wird heute das Jahr 1911 angegeben, obwohl Aufzeichnungen aus früherer Zeit belegen, dass die Existenz der Inkastadt lange vor dem 20. Jahrhundert bekannt gewesen ist. Als Machu Picchu von einer Expedition wiederentdeckt wurde, war die Siedlung vollständig überwuchert. Mit der Freilegung der Ruinen wurde im Jahr 1912 begonnen. Zum Vorschein kamen gut erhaltene Gebäude, Entwässerungssysteme und Tempelanlagen. Im Sonnentempel befinden sich eine Sonnenuhr und mehrere steinerne Artefakte, die dem Sonnenkult zugeordnet werden. Einige Gebäude konnten als königliche Residenz identifiziert werden, andere dienten der Bevölkerung als Wohnstätte. Außerhalb des Stadtgebietes liegen terrassenförmig angelegte Regionen, die landwirtschaftlich genutzt wurden und der Versorgung der Bevölkerung dienten. Von Machu Picchu führen Inkapfade in die einstige Hauptstadt des Inka-Imperiums nach Cuzco und in andere Städte. Die Wege sind noch heute nahezu vollständig erhalten.

 Machu Picchu gehört zu den Hauptattraktionen Perus. Die Stadt liegt in einer schwer zugänglichen Bergregion, in die keine Straßen führen. Sie erreichen die Inkasiedlung mit der Bahn von Cuzco aus. Die Bahnlinie endet in einem kleinen peruanischen Dorf unterhalb des Bergrückens. Die letzten acht Kilometer können Sie auf einer Serpentinenstraße zu Fuß oder mit dem Bus zurücklegen. Eine weitere Möglichkeit, Machu Picchu einen Besuch abzustatten, bietet sich Ihnen im Rahmen eines mehrtägigen Trekking-Abenteuers, das Sie auf alten Inkapfaden von Cuzco bis nach Machu Picchu führt. Dabei passieren sie einige hohe Pässe über dem Urubamba Tal und gelangen schließlich an das Sonnentor, das sich in der Nähe der Ruinenstadt befindet. Seit 1983 gehört Machu Picchu zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird täglich von etwa 2.000 Menschen besucht. Die UNESCO ist bestrebt, die Zahl der Besucher deutlich zu reduzieren, um die Ruinenstadt nicht zu gefährden. Der Bau einer Seilbahn vom Fuß des Berges zum Weltkulturerbe konnte bisher verhindert werden. 

Peru – Titicacasee, ein Nationalreservat

Ein Blick auf den Titicacasee, Foto: Miguel Angel Mamani M. / Unsplash
Ein Blick auf den Titicacasee – das andere Ufer ist bei gutem Wetter noch zu erkennen, Foto: Miguel Angel Mamani M. / Unsplash

Ein Besuch am Titicacasee gehört zum festen Bestandteil einer Rundreise durch Peru. Der See ist das weltweit höchstgelegene Gewässer mit einer kommerziellen Schifffahrt. Er besitzt eine Länge von 190 Kilometern und ist bis zu 67 Kilometer breit. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 107 Meter. Der Titicacasee wird von knapp 30 Flüssen gespeist. Den einzigen Abfluss der riesigen Wasserfläche bildet der Rio Desaguadero. Unzählige große und kleine Inseln und Halbinseln liegen in dem Binnengewässer. Auf einigen von ihnen befinden sich die Überreste der alten Inkakultur. Die durchschnittlichen Temperaturen in einer Höhe von mehr als 3.800 Metern liegen am Titicacasee zwischen 8 und 11 Grad. Dessen ungeachtet ist der See ein großer Wärmespeicher und die Regionen am Seeufer eignen sich für den Kartoffel-, Mais- und Gersteanbau.

Der Titicacasee besitzt aus archäologischer Sicht eine enorme Bedeutung. Mehrere Hochkulturen hinterließen seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. ihre Spuren am Ufer und auf den Inseln. Zwischen 700 und 200 v. Chr. siedelten die Angehörigen der Paracas-Kultur am Titicacasee. Funde von Mumien aus dieser Zeit belegen, dass die Menschen bereits damals die Fähigkeit besaßen, operative Eingriffe am offenen Schädel durchzuführen. Am Seeufer befindet sich ein kleines Museum, in dem Sie Artefakte und Fundstücke dieser Kultur bewundern können. Zahlreiche Ruinen aus der Inkazeit befinden sich auf den Inseln Isla del Sol und Isla de la Luna. Der Sage nach wurden auf diesen Inseln vom weißbärtigen Gott der alten Kultur die ersten Menschen des Inkavolkes geschaffen.

An den Ufern des Titicacasees leben einige indigene Volksgruppen, die sich durch eine besondere Lebensweise und außergewöhnliche Rituale auszeichnen. Zu den Attraktionen der Region gehören die schwimmenden Inseln der Urus. Diese ethnische Volksgruppe lebt seit Jahrhunderten auf künstlichen Inseln im See. Die Inseln bestehen aus getrocknetem Totora-Schilf, das unter anderem auch für den Schiffs- und Hausbau verwendet wird. Einst dienten die schwimmenden Inseln den Ureinwohnern zum Schutz vor den Übergriffen der Inkas. Wenn Gefahr drohte, zogen sich die Urus auf die Eilande mitten im See zurück. Heute bildet der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für die indigene Volksgruppe. Besucher werden mit Booten zu den schwankenden Inseln gebracht und lernen dort das ursprüngliche Leben der Urus kennen.

Am Titicacasee ist eine artenreiche Flora und Fauna beheimatet. In der abgelegenen Region auf 3.800 Meter Höhe konnten sich zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Mehr als 80 Vogelarten und 26 verschiedene Fischarten sind in dem Binnengewässer beheimatet. Darüber hinaus lebt am Ufer des Sees der sogenannte Titicacaseefrosch, dessen größtes Atemorgan die Haut ist. Zur Vergrößerung der Oberfläche ist die Haut sehr faltig, was der endemischen Tierart ein skurriles Aussehen verleiht. Zu den endemischen Fischarten im See gehören verschiedene Andenkärpflinge und der Schmerlenwels. Im Rahmen von Trekking-Touren, Bootsausflügen und Wanderungen können Sie die Artenvielfalt am Titicacasee bewundern und sich auf eine Entdeckungsreise zu den steinernen Hinterlassenschaften alter Kulturen begeben.

In jüngster Vergangenheit nahm die Wasserqualität des Titicacasees permanent ab. Grund dafür sind illegal betriebene Minen am Seeufer, deren giftigen Abwässer ungeklärt in den See fließen. Vor einigen Jahren wurde zum besseren Schutz des Ökosystems von den Anrainerstaaten Peru und Bolivien ein Memorandum unterzeichnet. Auf diese Weise soll der illegale Minenbetrieb bekämpft werden. Stetig sinkende Wasserstände durch den Rückgang der Andengletscher stellen eine weitere Bedrohung für die Flora und Fauna am See dar. Derzeit laufen mit Unterstützung der Europäischen Union Bemühungen, den Wasserabfluss über den Rio Desaguadero durch den Bau von kleinen Dämmen zu regulieren. Der Titicacasee ist seit 1978 offiziell als Nationales Schutzgebiet eingestuft und besitzt den Status eines Nationalreservates.

Afrika – Blauer Nil, spektakuläres Naturschauspiel

Tisissat-Wasserfall in Äthiopien, Foto: ArtushFoto / Adobe Stock
Tisissat-Wasserfall in Äthiopien, Foto: ArtushFoto / Adobe Stock

Der Blaue Nil ist eine der beiden Wasseradern, die sich im Nachbarland Sudan zum Nil vereinigen. Die zweite Wasserader ist der Weiße Nil. Der Blaue Nil entspringt in den Gish-Bergen auf einer Höhe von etwa 2.750 Metern. Der Fluss mündet zunächst in den Tanasee und stellt gleichzeitig den einzigen Abfluss des größten Binnensees Äthiopiens dar. Mit dem Verlassen des Sees ändert der Blaue Nil seine Fließrichtung von Norden nach Süden. Die Bezeichnung Blauer Nil erhielt der Fluss wegen seiner dunklen Färbung. Er führt große Mengen feinkörniges Bodenmaterial mit sich, das aus dem Abessinischen Hochland stammt. Dabei handelt es sich überwiegend um kleine Schwebteilchen, die aufgrund ihres geringen Gewichtes nicht am Flussgrund abgelagert, sondern von der Strömung fortgetragen werden.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Äthiopiens gehören die Blauer Nil Wasserfälle in der Nähe des kleinen Dorfes Tis Issat. Der Ort liegt rund 30 Kilometer südlich von Bahir Dar und ein Besuch dieses spektakulären Naturschauspiels gehört zum festen Programm einer Rundreise durch das ostafrikanische Land. An den sogenannten Tisissat-Wasserfällen stürzt das Wasser des Flusses während der Regenzeit auf einer Breite von rund 400 Metern 42 Meter tief in die Schlucht. Damit ist der Wasserfall der Zweitgrößte in Afrika. Nebeneinander liegen vier Hauptströme des Blauen Nils.

Insbesondere in der niederschlagsreichen Zeit bietet sich Ihnen beim Besuch der Wasserfälle ein spektakuläres Naturschauspiel. Allerdings haben regulatorische Eingriffe der Regierung in den Wasserhaushalt des Tanasees Einfluss auf die Wassermengen. Werden die Fluten des Nils am Oberlauf zum Zweck der Stromerzeugung vom Staudamm zurückgehalten, kann es passieren, dass statt der gewaltigen Wassermengen nur ein schmales Rinnsal über die Abbruchkante sickert. Die Maßnahmen haben in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten geführt, die auf das Wasser des Nils als Lebensgrundlage angewiesen sind.

Einen besonders eindrucksvollen Anblick bieten Ihnen die Tisissat-Wasserfälle in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne über dem Horizont aufsteigt. Das Licht der Sonnenstrahlen bricht sich in den winzigen Wassertröpfchen der aufsteigenden Gischt und kreiert faszinierende Farbspiele und Regenbögen. In der Regenzeit erzeugen die herabstürzenden Wassermassen eine gewaltige Gischt, die wie ein undurchdringlicher Nebel in die Höhe steigt. Noch in der Entfernung von einem Kilometer zu den Wasserfällen können Sie die Feuchtigkeit in der Luft wahrnehmen. Rund einen Kilometer flussabwärts schlängelt sich ein Bergweg über eine alte Steinbrücke, die den Blauen Nil an dieser Stelle überquert. Die Brücke stammt aus dem Jahr 1626 und bildet einen der reizvollsten Aussichtspunkte an dem tosenden Fluss. Diesen Ort suchten bereits bedeutende Forscher und bekannte Persönlichkeiten auf, um den Blick auf die Nil-Wasserfälle zu genießen. Unter anderem gehörte die englische Königin Elisabeth II. zu den Besuchern.

Die Wassermassen des Blauen Nils ergießen sich über die Wasserfälle in einen Canyon, der aufgrund der Feuchtigkeit von einem dichten Regenwald bewachsen ist. Die Schlucht besitzt eine Länge von etwa 600 Kilometern und ist bis zu 20 Kilometer breit. Der Fluss hat sich im Lauf der Jahrmillionen immer tiefer in das äthiopische Hochland gegraben. Für Geologen ist die Schlucht eine wahre Fundgrube, denn das Wasser legt Gesteinsschichten frei, die vor mehr als 100 Millionen Jahren dort abgelagert wurden. Der Canyon, den der Blaue Nil in das Gestein gegraben hat, stellt ein enormes natürliches Hindernis für Kommunikations- und Reisewege zwischen dem Norden und dem Süden Äthiopiens dar. Der Regenwald an den Ufern des Flusses ist die Heimat für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Zahlreiche Affenarten bevölkern den grünen Dschungel und seltene Vögel flattern in den Baumkronen umher.

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Marokko – Bab-el Mansour, prunkvolles Stadttor

Das Stadttor Bab El Mansour, Foto: Valery Bareta / Adobe Stock
Das Stadttor Bab-el Mansour, Foto: Valery Bareta / Adobe Stock

Die Großstadt Meknes ist eine von vier marokkanischen Königsstädten. Sie liegt in einer fruchtbaren Hochebene im Norden des Landes und das Stadtgebiet erstreckt sich zu beiden Seiten des Flusses Boufekrane. Die historische Altstadt gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Bau des Stadttores Bab-el-Mansour wurde von Sultan Moulay Ismail in Auftrag gegeben und unter seinem Sohn Moulay Abdallah im Jahr 1732 fertiggestellt.

Es markiert den ehemaligen Haupteingang zum Kaiserpalast, der dem Sultan als Wohnresidenz und Regierungssitz diente. Benannt wurde das Tor nach dem Architekten, der als ehemaliger Angehöriger der christlichen Glaubensgemeinschaft zum Islam konvertierte. Meknes besitzt ein reiches kulturelles Erbe. Zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt zur Hauptstadt ausgebaut und in der Folge entstanden zahlreich prachtvolle Bauwerke, die heute ein bedeutendes kulturgeschichtliches Erbe Marokkos bilden.

Bab-el-Mansour gehört zu den größten und schönsten Toren Marokkos. Für die Errichtung wurden Marmorsäulen aus der antiken römischen Stadt Volubilis verwendet, von der heute nur noch Ruinen vorhanden sind. Das Tor ist mit aufwendig gestalteten Zellij-Kacheln verziert, die während der Herrschaft der Alawiden häufig für verschiedene Bauwerke zum Einsatz kamen. Dabei handelt es sich um emaillierte Terrakotta-Fliesen, die mit schmuckvollen Ornamenten und floristischen Motiven bemalt wurden. Das Haupttor von Bab-el-Mansour ist heute verschlossen und wird nicht mehr als Durchgang genutzt. Hinter den Mauern ist eine Kunstausstellung und Handwerksgalerie untergebracht. Der Zugang erfolgt über einen Seiteneingang. Das Stadttor Bab-el-Mansour erhebt sich an einer viel befahrenen Straße. Neben dem Bauwerk befinden sich bewachte Parkplätze, die auch für Wohnmobile genügend Platz bieten. Hinter dem Tor schließt sich das Stadtviertel Mellah an, das einst von Juden bewohnt wurde. Meknes wurde früher wegen der zahlreichen jüdischen Einwohner und der 72 Synagogen als das „Jerusalem Marokkos“ bezeichnet. Der Überlieferung zufolge soll der Architekt des Stadttores bereits kurz nach der Fertigstellung auf Befehl des Sultans hingerichtet worden sein.

Direkt vor dem Bab-el-Mansour befindet sich der große Platz El-Hedim, der von Türmchen mit grüner Dachbedeckung eingerahmt wird. Neben dem Stadttor befindet sich der Eingang zur Markthalle, in der Sie das lebhafte Treiben eines orientalischen Basars erwartet. Auf den Ständen türmen sich frisches Obst und Gemüse, Oliven, Datteln und exotische Gewürze. Gegenüber von Bab-el-Mansour an der Nordseite des Platzes erhebt sich mit dem Dar Jamai der Palast des gleichnamigen Wesirs. Er wurde im 19. Jahrhundert erbaut und beherbergt heute ein Museum für marokkanische Kunst. In den Ausstellungsräumen können Sie marokkanische Kunstgegenstände aus mehreren Jahrhunderten und handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Koran bewundern. Durch einen Bogen im Palast gelangen Sie in die Souks von Meknes. Das Handwerker- und Händlerviertel ist weniger überfüllt als in den Städten Marrakesch und Rabat und bietet eine gute Gelegenheit zum Erwerb landestypischer Souvenirs. Wie auf jedem orientalischen Basar ist Feilschen um den besten Preis ausdrücklich erwünscht.

Wenige Meter vom Stadttor Bab-el-Mansour entfernt befindet sich ein kleines Tor, das einen Durchgang in die alte Sultansstadt von Meknes bildet. Die Altstadt war einst von einer 40 Kilometer langen Stadtmauer eingefasst, von der heute nur noch einzelne Fragmente übrig sind. Sultan Moulay Ismail ließ im 17. Jahrhundert zur Errichtung des Viertels ganze Stadtteile abreißen. Zu den attraktivsten Sehenswürdigkeiten der Sultansstadt gehören der Wollmarkt, das sogenannte Christengefängnis und das Mausoleum, in dem Sultan Moulay Ismail bestattet wurde. Das Grab wurde unter König Mohammed V. umfassend restauriert und erstrahlt heute in prachtvollem Glanz. Der Leichnam des Sultans befindet sich in einem weißen Sarkophag, der von zwei barocken Standuhren eingerahmt wird. Sie waren ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XIV. und bilden eine stilistische Besonderheit im Mausoleum.

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