Lexikon

Nigeria

Die Landschaft von Nigeria wird von Niger und Benue geprägt und lässt sich in vier unterschiedliche Naturräume gliedern. Durch Nigerdelta, Lagunen und Sümpfe ist das Bild der Küste geprägt. Im äußersten Südosten dominiert im Gegensatz eine Felsenküste. Landeinwärts geht das etwa 150 km breite Küstentiefland in das Yoruba-Plateau westlich des Niger über. Die Gotel und die Shebshi Mountains mit dem 2.042 m hohen Dimlang befinden sich an der Grenze von Nigeria zu Kamerun. Auf einer Höhe von etwa 1200 m liegt das Zentralplateau und steigt im Jos-Plateau bis auf 1.752 m an. Die Hochebene senkt sich im Nordwesten zur Ebene von Sokoto ab und im Nordosten stößt man auf die Schwemmlandebenen des Tschadsees.

Klima in Nigeria

In Nigeria herrscht ein tropisches Klima, das für Temperaturen zwischen 26 und 29 Grad an der Küste, von 23 bis 33 Grad im Norden und 21 und 26 Grad im Zentralplateau sorgt. Die Regenzeit dauert im Süden von Nigeria von April bis November. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt in dieser Zeit an der Küste bis zu 4.000 mm. Von Mai bis Oktober dauert die Regenzeit im Norden von Nigeria, hier fallen teilweise weniger als 700 mm Regen. Der heiße Saharawind Harmattan bestimmt in der Trockenzeit das Klima. Wüstensteppen herrschen im zur Sahelzone gehörenden Nordosten. Aus Trockensavannen mit Dornsträuchern und vereinzelten Affenbrotbäumen besteht die Sudanzone. Durch Laubwälder und Baumsavannen ist die Guineazone gekennzeichnet. In der Küstenregion herrschen dagegen Mangrovensümpfe vor. Stark gefährdet ist die ursprüngliche Fauna von Nigeria. Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Büffel, Löwen, Antilopen sowie zahlreiche Vogelarten findet man in den Wildparks Borgu und Yankari.

Bevölkerung

Die Bevölkerung von Nigeria besteht aus insgesamt 434 Ethnien, darunter Hausa-Fulani, hamitische und tschadohamitische Völker, Ibo, Ibibio, Yoruba, Fulani sowie einige europäische Minderheiten. Knapp die Hälfte der Bevölkerung sind Christen verschiedener Glaubensrichtungen, 45 % sind Muslime. Weiters gibt es zahlreiche Anhänger traditioneller Religionen. Bei lediglich 47 Jahren liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Nigeria. Rund 43 % beträgt die Analphabetenrate. In den Städten leben inzwischen 40 % der Bevölkerung von Nigeria.

Anzeige

Geschichte und Politik in Nigeria

In Nigeria wurden bereits vor 2.000 Jahren Kulturen nachgewiesen. Die Hausa hatten ab dem 11. Jahrhundert im Norden eigene Staaten mit einer ausgeprägten urbanen Kultur geschaffen. Der Islam gewann schon früh großen Einfluss in Nigeria und war bereits fest etabliert, als die Portugiesen im Jahre 1472 das Reich von Benin entdeckten. Die Europäer betrieben bis 1807 einen schwunghaften Sklavenhandel in die Neue Welt, der zu Kriegen unter den verschiedenen Stämmen sowie zu extrem hohen Bevölkerungsverlusten führten. Die Briten erklärten um die Mitte des 19. Jahrhunderts Nigeria zu einer ihrer Kolonien, ließen die traditionellen Herrschaftsstrukturen jedoch teilweise bestehen. Im Jahre 1897 wurde das Königreich Benin endgültig erobert, dadurch entstanden die britischen Protektorate Süd- und Nordnigeria, die 1914 in die „Colony and Protectorate of Nigeria“ aufgingen. Nigeria wurde 1960 unabhängig und 1963 zur Republik innerhalb des Commonwealth. Hauptstadt wurde Abuja und nicht wie viele oft denken Lagos. Lagos ist wiederum mit 22 Millionen Einwohnern die größte Stadt Nigerias.

Die junge Geschichte von Nigeria ist durch Putsche und politische Morde gekennzeichnet. Die Ibo-Region rief 1967 ihren eigenen Staat Biafra aus, und löste damit einen Bürgerkrieg aus, der bis 1970 über 1 Million Menschen das Leben kostete. An den hohen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft bereicherten sich verschiedene Militärregime. Die Bevölkerung von Nigeria ging dabei leer aus. Das Regime des Generals Sani Abacha, der seit 1993 unliebsame Oppositionelle rücksichtslos liquidieren ließ, war besonders brutal. Durch internationale Ölkonzerne, wobei insbesondere Shell ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, wurde die Militärdiktatur gestürzt. Auch nach dem Tod Abachas folgte die versprochene Rückkehr zur Demokratie nicht. 1999 wurden unter internationaler Kontrolle Wahlen durchgeführt, die ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratie darstellten. Eine neue Verfassung trat ebenfalls 1999 in Kraft.

Wirtschaft und Tourismus

Das Bruttoinlandsprodukt von Nigeria beträgt ca. 85 Milliarden US-Dollar, wovon 30 % auf die Landwirtschaft, 45 % auf die Industrie und 25 % auf den Dienstleistungssektor entfallen. Auf seinen großen Erdölvorkommen beruht der Reichtum von Nigeria. Aus Rohöl besteht 93 % des gesamten Exports. Maschinen, Eisenwaren, Chemikalien, Fahrzeuge und elektrotechnische Erzeugnisse gehören zu den Hauptimportgütern.

Zwischen Oktober und März ist die beste Reisezeit für einen Besuch in Nigeria. Extrem schwül ist es in Südnigeria.

Verkehr in Nigeria

3.557 km umfasst das Schienennetz. Über 32.105 km erstreckt sich das Straßennetz von Nigeria, wovon 26.005 km asphaltiert sind in Lagos, Calabar, Warri, Bonny und Borutu befinden sich die wichtigsten Seehäfen des Landes. Bonny und Borutu sind für den Ölexport von besonderer Bedeutung. Weiters gibt es im Land fünf internationale Flughäfen.

Alle Angaben ohne Gewähr

Zurück zur Lexikon-Übersicht

Schreibe einen Kommentar